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Tariflohn in der Pflege – Drei Fragen an Helmut WallrafenFreitag, 18. Juni 2021

Tariflohn in der Pflege – Drei Fragen an Helmut Wallrafen

Die Medien überschlagen sich derzeit mit Schlagzeilen wie „Mehr Gehalt für Beschäftigte in der Altenpflege!“ oder „Pflegekräfte erhalten ab Herbst 2022 mehr Geld!“. Hintergrund ist die im Juni 2021 beschlossene Pflegereform der Bundesregierung. Damit sollen Pflegekräfte ab dem Jahr 2022 höhere Löhne bekommen und Pflegebedürftige von Zuzahlungen in Heimen entlastet werden. Drei Fragen zum Thema an unseren Geschäftsführer, Helmut Wallrafen:

Herr Wallrafen, was sagen Sie zum Thema Tariflohn und Pflegereform?

„Das ist ein Hoffnungsschimmer für Pflegekräfte, die bisher in rein profitorientierten Unternehmen für Dumpinglöhne arbeiten müssen. Ich befürchte aber, dass am Ende viele Menschen enttäuscht sein werden. Denn an den Strukturen ändert die Reform nichts - und ein Garant für vergleichbare und faire Bezahlung ist sie auch nicht. Dafür bräuchte man einen Flächentarifvertrag. Die Pflege bleibt in Deutschland auch nach dieser Reform viel zu stark vom Markt bestimmt. Und der ist schon vor vielen Jahren gescheitert.“

Bei der Sozial-Holding zahlen Sie seit der Gründung vor 25 nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Damit heben Sie sich deutlich von der Bezahlung bei anderen Trägern ab. Was bedeutet dies für die Mitarbeiter*innen konkret?

„Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, den wir unseren Beschäftigten bieten, kann sich sehen lassen: Frauen und Männer werden gleich gut bezahlt. Und eine Zusatzversorgung fürs Alter kommt on top dazu. Bei uns erhält eine Pflegekraft schon im ersten Ausbildungsjahr fast 1.200 Euro brutto, nach bestandener Prüfung 3.000 Euro plus 200 Euro Zulagen. Und das Gehalt steigt mit der nach und nach wachsenden Verantwortung mit. Wir zählen zur kleinen Gruppe von fünf Prozent der Anbieter in Deutschland, die ihren Beschäftigten diesen Tarif bieten.“

Sind ihre Altenheime denn dadurch nicht viel teurer als andere?

„Sozial denken und wirtschaftlich handeln: Das ist von Beginn an unsere Leitidee. Die Bindung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes heißt nicht, dass unsere Leistungen automatisch mehr Geld kosten als bei anderen Pflegeanbietern. Als kommunales Unternehmen, das am Ende den Bürgerinnen und Bürgern Mönchengladbachs gehört, streben wir nicht nach Profitmaximierung. Wir wollen, dass es unseren Bewohner*innen und Kund*innen gut geht, dass sich Angehörige und Beschäftigte keine Sorgen machen müssen. Dass gerade dies unsere Stärke ist, hat sich in der Corona-Krise wieder einmal gezeigt. Bei uns gab es keine Kurzarbeit, keinen Mangel an medizinischem Material, keine Maßnahme zum Schutz der Bewohner*innen, die wir aus Kostengründen gestrichen haben. Und das soll auch so bleiben.“

Helmut Wallrafen, Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach

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