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Geduld & zartes GrünFreitag, 25. März 2022

Geduld & zartes Grün

Diese Geschichte beginnt im Museum „TextilTechnikum“ im Monforts Quartier in Mönchengladbach. Hier dreht sich alles um die spannende Textil-Vergangenheit unserer Stadt. Das Besondere? Es gibt begleitete Führungen für Menschen mit Demenz. Viele Seniorinnen und Senioren verbinden persönliche Erfahrungen mit dieser „textilen Geschichte“ – und tauchen so in ihre eigene Vergangenheit ein. Absolut beeindruckend, wie ihr Wissen und ihre Kompetenz wieder lebendig werden. Zahlreiche Erfahrungen aus dem Arbeitsleben und ihren unterschiedlichen Berufen sind plötzlich wieder da.

Nun besuchten wir mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Altenheims Hardterbroich den Bereich „Weben“. Die Besucher konnten viele Dinge selbst anfassen und im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“. So auch einige alte, staubtrockene Flachsstängel. Wir lernten: Wenn man sie bricht, kommt in ihnen die begehrte Leinenfaser zum Vorschein. Wir alle kehrten angeregt und zufrieden ins Altenheim zurück. Nach etwa drei Wochen rief mich eine Bewohnerin zu sich ins Zimmer und zeigte mir auf ihrer Fensterbank ein kleines Töpfchen – mit zarten grünen Pflänzchen. Was war das? Die Dame hatte Flachsstängel mitgenommen, an den Halmen völlig vertrocknete Leinsamenkapseln gefunden und diese eingepflanzt. Und siehe da, ein kleines Wunder geschah: Aus den scheinbar toten Samenkapseln wuchsen kleine kräftige Pflänzchen!

Die Dame zeigte mir das Töpfchen stolz mit folgenden Worten: “Manchmal muss man Geduld haben – und dann wächst aus einem scheinbar toten Samenkorn eine neue Pflanze. So ist es auch im Leben: Ganz gleich, wie aussichtslos es scheint – es kann trotz allem etwas Gutes und Neues entstehen.“

Wie recht sie hat! Gerade in Zeiten von Pandemie und Krieg hat mich dieses Erlebnis tief berührt.

(Bericht einer Mitarbeiterin aus dem Sozialen Dienst)

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