Senioren sitzen im Sommer im Garten

Abschied eines PioniersFreitag, 1. Mai 2026

Abschied eines Pioniers

Nach drei Jahrzehnten an der Spitze der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach ist Schluss: Helmut Wallrafen, prägende Figur und Vordenker der modernen Altenpflege, wurde vergangenen Freitag im Rahmen einer Feierstunde im Altenheim Rheindahlen verabschiedet. Eine Feier, die er selbst so nie gewollt hatte – und die dennoch den passenden Rahmen bot, um sein Lebenswerk zu würdigen.

Sichtlich bewegt wandte sich Wallrafen ein letztes Mal an Wegbegleiter, Mitarbeitende und Gäste. „Es war mir eine Ehre“, sagte er zum Abschluss seiner Rede und verbeugte sich vor dem Publikum. Dabei wurde deutlich: Der Abschied fällt ihm nicht leicht. „Ich bin lange noch nicht fertig und hätte gerne noch etwas gemacht“, bekannte der 70-Jährige offen.

Seit 1996 stand Wallrafen an der Spitze der neu gegründeten Sozial-Holding, nachdem er zuvor bereits fünf Jahre das Sozialamt der Stadt geleitet hatte. Unter seiner Führung entwickelte sich das Unternehmen zu einem bundesweit beachteten Vorreiter in der kommunalen Altenpflege. Mit Investitionen von über 200 Millionen Euro in Neubauten, Sanierungen und Instandhaltungen setzte er Maßstäbe für eine moderne und würdevolle Pflegeinfrastruktur.

Wallrafen galt stets als jemand, der klare Worte nicht scheute. Als „Querdenker“ im besten Sinne habe er sich konsequent für die Belange älterer Menschen eingesetzt, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Schmitz in seiner Ansprache. Dabei habe er auch unbequeme Positionen vertreten und den direkten Austausch mit Politik und Gesellschaft gesucht. „Ich war nicht immer bequem“, räumte Wallrafen selbst rückblickend ein.

Oberbürgermeister Felix Heinrichs würdigte die Verdienste des scheidenden Geschäftsführers als wegweisend: Wallrafen habe „bundesweit einen unglaublichen Wandel in der Altenpflege“ angestoßen. Mit der Gründung der Sozial-Holding sei in Mönchengladbach ein grundlegender Systemwechsel gelungen, der bis heute als Beispiel für erfolgreiche kommunale Daseinsvorsorge gilt. Auch Professor Thomas Klie unterstrich die Bedeutung von Wallrafens Arbeit. Altenpflege sei ein zentraler Bestandteil öffentlicher Verantwortung und dürfe nicht allein wirtschaftlichen Kriterien untergeordnet werden. Die Sozial-Holding habe gezeigt, dass Kommunen in der Lage sind, qualitativ hochwertige Pflegeangebote selbst zu organisieren und weiterzuentwickeln.

Neben fachlicher Kompetenz waren es vor allem Wallrafens persönlicher Einsatz und sein Gestaltungswille, die ihn auszeichneten. Sein langjähriger Weggefährte Roland Weigel hob besonders seine Beharrlichkeit, seinen Mut und sein Selbstbewusstsein hervor – Eigenschaften, mit denen er die Altenpflege nachhaltig geprägt habe.Mit rund 900 Mitarbeitenden und etwa 60 Auszubildenden entwickelte sich die Sozial-Holding unter Wallrafens Leitung zu einem bedeutenden Arbeitgeber in der Region. Gleichzeitig wurde sie zu einem Symbol für innovative Sozialpolitik auf kommunaler Ebene.

Ganz verabschieden wird sich Helmut Wallrafen jedoch nicht aus der Öffentlichkeit. In seiner Funktion als Präsident des Deutschen Rugby-Verbands bleibt er aktiv – und dürfte auch künftig mit klaren Worten und neuen Ideen Impulse setzen.Und auch der eigens für Ihn angepflanzte Baum im Garten des Altenheims Hardterbroich lässt die Mitarbeitenden und Bewohner:innen vor Ort in Erinnerung schwelgen.