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Presse

22.06.2011: Brücken schlagen in die Vergangenheit

Die Sozial-Holding bietet in Kooperation mit dem städtischen Museum Schloss Rheydt ab sofort Museumsführungen für Demenzerkrankte Bewohnerinnen und Bewohner aller Altenheime an.

Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach bietet in Kooperation mit dem städtischen Museum Schloss Rheydt Führungen für Demenzerkrankte Altenheimbewohner Demenz wird in einer alternden Gesellschaft auch für Kulturbetriebe ein immer wichtigeres Thema. In Deutschland sind heute bereits rund eineinhalb Millionen Menschen von Demenz betroffen, im Jahr 2050 werden es doppelt so viele sein. Dass auch Hochbetagte an kulturellen und gesellschaftlichen Angeboten teilhaben möchten und können, zeigt ein Projekt, dass die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach gemeinsam mit dem städtischen Museum Schloss Rheydt entwickelt und mit Besuchergruppen aus den städtischen Altenheimen praktisch erprobt hat. Ermutigt von den positiven Ergebnissen bietet das Museum, das neben kunst- und kulturhistorischen Sammlungen auch eine stadtgeschichtliche Abteilung beherbergt, jetzt regelmäßig spezielle Führungen für an Demenz erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen an. „Wir sind zwar nicht das erste Museum, das spezielle Führungen für diese Zielgruppe anbietet. Allerdings gibt es bisher bundesweit nur wenige Einrichtungen mit diesem Service“, berichtet Museumsleiter Dr. Karlheinz Wiegmann. „Natürlich bringen Demenzerkrankungen Einschränkungen für die Betroffenen mit sich, auf die man sich einstellen muss. Aber dass vielen Menschen mit einer solchen Erkrankung weniger zugetraut als sie eigentlich können, haben wir bereits bei unseren Sport- und Bewegungsangeboten wie ‚Fit für 100’ und ‚Nadia’ festgestellt. Gleiches gilt für den Bereich Kunst und Kultur“, ist Helmut Wallrafen-Dreisow, Geschäftsführer der Sozial-Holding GmbH überzeugt. Verschiedene Projekte in deutschen Museen und eine in der Pflegeszene wie in der internationalen Museumslandschaft viel beachtete australische Studie (MacPherson S., Bird M., Anderson K., Davis T., Blair A., 2009: An Art Gallery Program for people with dementia: ‚You do it for the moment’.) hätten gezeigt, dass die Führungen das Wohlbefinden der Erkrankten steigern, weil sie sich an dem Erlebten erfreuen und verbliebene Kompetenzen zeigen können. Beobachtungen, die Museumspädagoge Dr. Klaus Möhlenkamp und Marlies Werner, Diplompädagogin im städtischen Altenheim Eicken, aus ihren eigenen Erfahrungen mit den ersten Besuchergruppen bestätigen können. Dass die Demenzkranken Besucher oft noch Tage nach der Führung über das Erlebte reden, kommt nicht von Ungefähr: Das Team hat sich konzeptionell auf die Zielgruppe vorbereitet und bietet im Museum eine besondere Atmosphäre. So ist die Führung als „Fahrt ins Blaue“ mit einem Rundgang durch das Renaissanceschloss und einem Spaziergang durch die gepflegten und von einem Wassergraben umsäumten Außenanlagen angelegt, der an einen typischen Sonntagsausflug in der 50er oder 60er Jahren erinnert. Da darf natürlich auch die abschließende Kaffeetafel mit passendem Blümchengeschirr nicht fehlen. Die fröhliche Runde vor einem überdimensionalen historischen Foto des alten Mönchengladbacher Schauspielhauses gibt den Pädagogen Gelegenheit, mit Erinnerungsstücken wie Hüten, Opergläsern, Abendtäschchen oder Tosca Parfum an längst vergessene Theaterbesuche zu erinnern. Für Möhlenkamp und seine Kollegen im Städtischen Museum Schloss Rheydt ist die Arbeit mit den Demenzkranken eine völlig neue und reizvolle Erfahrung: „Als Museumspädagogen mussten wir uns hier zunächst von der Vorstellung trennen, Wissen über Kunst vermitteln zu wollen. Eher ist es unser Ziel, mit den Möglichkeiten, die uns zum Beispiel die stadtgeschichtliche Abteilung bietet, Brücken in die Vergangenheit unserer Gäste zu schlagen.“ Dass dieses Konzept aufgeht, hat die Beteiligten ermutigt, die Führungen für Demenzkranke fest ins pädagogische Programm des Museums aufzunehmen.



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