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Presse

03.06.2010: Bürgerarbeit keine Alternative für die Altenpflege!

Helmut Wallrafen-Dreisow, der Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH ist der Meinung, „dass die Bundesregierung sich nun endgültig aus der Gestaltung der Altenpflege verabschiedet hat“.

Der Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH ist der Meinung, „dass die Bundesregierung sich nun endgültig aus der Gestaltung der Altenpflege verabschiedet hat“. Nachdem Gundesgesundheitsminister Rösler auf dem Hauptstadtkongress in Berlin es in seiner Rede schaffte die Auseinandersetzung mit der Pflege zu vermeiden die Fachpresse berichtete), kommt nun Bundesarbeitsministerin von der Leyen, die ehemalige Seniorenministerin mit Vorschlägen zur Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen, die der bisherigen Politik ihres eigenen Hauses widersprechen und die keine Lösungsansätze zur Problematik der Personalsituation in der Altenpflege bieten. Im Sommer 2008 warben die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit Bundesgesundheitsministerin Schmidt und Bundesarbeitsminister Scholz für die neuen - ausschließlich durch die Pflegekassen finanzierten - „Betreuungskräfte für Menschen mit Demenz“. Bei 100 Euro pro Dementem und einer Vollzeitstelle bei 25 Menschen mit Demenz stehen damit den Pflegeeinrichtungen zumindest pro Vollzeitstelle 2.500 Euro zur Verfügung. Diese Betreuungskräfte müssen dann noch zusätzlich 160 Qualifizierungsstunden nachweisen. Schon dieses Modell wurde zu Recht von vielen Experten kritisiert, ist die Arbeit mit Menschen mit Demenz doch eine Herausforderung, die grundlegende Qualifikationen erfordert. Nun sollen Langzeitarbeitslose ohne jede Qualifizierung für 900 Euro brutto bei 30 Stunden in der Woche unter anderem in den Altenheimen “vorlesen“. “Zum einen diskreditiert dies die Arbeitslosen“ stellt Wallrafen-Dreisow fest, sollen diese damit doch für einen Stundenlohn von 7,50 Euro arbeiten kurz nachdem vom gleichen Ministerium die Einführung des Mindestlohns in der Pflege gefeiert wurde. Die praktische Erfahrung zeigt eindrucksvoll, dass Arbeitslose ein großes Interesse an Bildung und Qualifizierung zeigen und ihnen dies so vorenthalten wird. Eine hinreichende Abstimmung mit der Bundesagentur für Arbeit fand anscheinend auch nicht statt, kritisiert Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur in einem Artikel in der Zeitschrift Soziale Arbeit vom April 2010 doch ausführlich das „Konzept Bürgerarbeit“. Nur am Rande sei hier auf die nicht auskömmliche Finanzierung der Lohnkosten, die nur 3 Wochen Zeit zur Konzepterstellung für die ARGEn , die fehlende Betreuung durch Sozialpädagogen und anderes mehr hingewiesen. Wieder einmal zeigt sich, dass die Lösungen für die Altenpflege ausschließlich in Lohndumping und Ignoranz der fachlichen Qualifikationen liegen. Wen wundert es da, dass sich kaum noch junge Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen für den Beruf der Altenpflege interessieren. Die steigende Zahl der nicht besetzten Pflegefachkraftstellen belegt dies dramatisch. Die bloße Definition von Qualitätsstandards in der Altenpflege mit ebenfalls umstrittenen „Transparenzberichten“ bieten da auch keine Lösungen, sondern verdeutlichen, so Wallrafen-Dreisow „die Schere zwischen Theorie und Praxis“ immer mehr.



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