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Pressemitteilungen

29.01.2015: Sütterlin-Gruppe traf sich zum 50. Mal

Sütterlin-Gruppe traf sich zum 50. Mal

Warum die Schreibschrift, die wir heutzutage in der Schule lernen, lateinische Schrift heißt, wird uns immer dann bewusst, wenn wir einmal Schriftstücke in „deutscher“ Schrift in die Hände bekommen – sei es die Kurrent-Schrift, die bis ins frühe 20. Jahrhundert gebräuchlich war, oder die nach ihrem Schöpfer, dem Grafiker und Pädagogen Ludwig Sütterlin, benannte Sütterlin-Schrift, die von zirka 1920 bis 1941 an deutschen Schulen gelehrt wurde.

Für Ungeübte sind diese alten Schreibschriften mit ihren ausladenden und ungewohnten Buchstaben kaum zu entziffern. Da ist es gut, Schriftexperten zu haben, die sich mit dem, was unsere Urgroßväter und -mütter in Briefen, Tagebüchern, Urkunden und Dokumenten hinterlassen haben, gut auskennen. Seit mehr als zwei Jahren trifft sich eine Sütterlin Gruppe ein Mal im Monat in der Generationenbibliothek im Altenheim Odenkirchen, um an historischen Dokumenten zu arbeiten. Mit dabei ist Bewohnerin Anneliese Schild. Die rüstige 95 jährige ist das „Juwel“ der Gruppe. „Frau Schild entziffert die historischen Dokumenten nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern übersetzt sie Wort für Wort“, erklärt Initiator Hans-Gert Lingen vom Heimatverein Odenkirchen.

Die Gruppe freut sich immer schon auf ihren Einsatz im Dienste der Alltagsgeschichte, denn sie bietet eine willkommene Abwechslung in anregender Atmosphäre. Die 2006 von der Sozial-Holding mit Hilfe von Sponsoren eingerichtete Generationenbibliothek ist einer der schönsten Orte, den die Stadt zu bieten hat. Die hochwertige Ausstattung, die holzvertäfelten Wände, das imposante Bücherregal und die Fensterbilder, die Marianne Hilgers 1963 für die ehemalige Krankenhauskapelle schuf, sorgen für eine Stimmung, in der Hektik gar nicht erst aufkommt. Dabei sind die Seniorinnen und Senioren mit Eifer bei der Sache. Hans-Gert Lingen kann oft gar nicht so schnell mitschreiben, wie Schild und die anderen Mitglieder der Gruppe gemeinsam die von ihm mitgebrachten und ausgeteilten Schriftstücke vorlesen.

Für Lingen erfüllt der „Sütterlin-Übersetzungsdienst“ eine wichtige Funktion für die Geschichtsschreibung des Stadtteils. Er will verhindern, dass wichtige historische Dokumente in Vergessenheit geraten oder sogar vernichtet werden, weil die Besitzer sie nicht lesen können. Hier können die Altenheimbewohner, die mit den alten Schriften aufgewachsen sind, Hilfe leisten: So wurden bereits Briefe, die Großeltern in den Kriegswirren an ihre Enkel geschrieben haben oder Ehe- und Kaufverträge die Aufschluss über Details der Odenkirchener Geschichte liefern, von der Sütterlin-Gruppe übertragen.

Die Treffen bei Kaffee und Plätzchen sind inzwischen fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der städtischen Altenheime geworden, an dem nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Mitarbeiter der Sozial-Holding Freude haben. Anneliese Schild will auf jeden Fall weiterhin an den Treffen teilnehmen. Neben der Mitarbeit in der Sütterlin-Gruppe spielt sie Bingo und ist in der Turn- und Strickgruppe im Altenheim.

„Die Arbeit unserer Seniorinnen ist aktive Geschichtsarbeit“, erklärt Sozial-Holding Geschäftsführer Helmut Wallrafen-Dreisow, der die Bibliothek als Treffpunkt zur Verfügung stellt. Außerdem sei es für die Teilnehmer ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden und eine Fähigkeit, die nur noch wenige haben, für die Allgemeinheit sinnvoll einsetzen zu können.



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