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Presse

04.04.2012: Altenheimbewohner werden zu Schriftexperten

In der Generationenbibliothek Odenkirchen überträgt die „Sütterlin-Gruppe“ regelmäßig und begeistert historische Dokumente in moderne Schrift. Wir waren bei einem der Treffen dabei.

Dabei sind die Seniorinnen und Senioren mit Eifer bei der Sache. Hans-Gert Lingen, Mitglied des Heimatvereins Odenkirchen und Initiator der Sütterlin-Gruppe, kann oft gar nicht so schnell mitschreiben, wie Josefa Gotschol, Ruth Schröter, Elke Schotten und die anderen Mitglieder der Gruppe die von ihm mitgebrachten und ausgeteilten Schriftstücke vorlesen. Für Lingen erfüllt der „Sütterlin-Übersetzungsdienst“ eine wichtige Funktion für die Geschichtsschreibung des Stadtteils. Er will verhindern, dass wichtige historische Dokumente in Vergessenheit geraten oder sogar vernichtet werden, weil die Besitzer sie nicht lesen können. Hier können die Altenheimbewohner, die mit den alten Schriften aufgewachsen sind, Hilfe leisten: So wurden bereits Briefe, die Großeltern in den Kriegswirren an ihre Enkel geschrieben haben oder Verträge, die Aufschluss über Details der Odenkirchener Geschichte liefern, von der Sütterlin-Gruppe übertragen. So sind die Treffen bei Kaffee und Plätzchen inzwischen fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der städtischen Altenheime geworden, an dem nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Mitarbeiter der Sozial-Holding Freude haben. „Schon die Fahrt nach Odenkirchen quer durch die gesamte Stadt ist für alle Beteiligten ein echtes Erlebnis. Außerdem ist es für die Teilnehmer ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden und eine Fähigkeit, die nur noch wenige haben, für die Allgemeinheit sinnvoll einsetzen zu können“, berichtet Rosemarie Schank, seit vielen Jahren Ehrenamtlerin im Altenheim Eicken. Dorothee Klein-Schieren vom Sozialen Dienst des Altenheims Am Pixbusch sieht weitere positive Effekte des erfolgreichen Projektes: „Durch die Arbeit an den alten Schriftstücken werden längst verschüttet geglaubte Erinnerungen wachgerufen und die Teilnehmer kommen immer schnell ins Erzählen über ihre Kindheit und Jugend, über schöne oder weniger angenehme Erlebnisse.“ Die 88-jährige Anna Joost zum Beispiel, die mit Witz und wachem Verstand für gute Stimmung beim Sütterlin-Treff sorgt, verbindet mit dem Altenheim Odenkirchen, in dem sie seit einigen Monaten lebt, ganz persönliche Ereignisse: Hier – im ehemaligen Krankenhaus hat sie 1944 ihr erstes Kind zur Welt gebracht.



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