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Presse

19.04.2010: Mehr Vollzeitarbeit durch „Pool“-Stunden im Pflegebereich

Die Sozial-Holding bietet allen Beschäftigten in der Alltagsassistenz und Pflege Vollzeitstellen an: Von den 228 Teilzeitkräften im Unternehmen haben sich 71 entschieden, Stunden aufstocken. Insgesamt kamen so mehr als 500 Wochenarbeitsstunden zusammen, was 13,3 Vollzeitstellen entspricht. Pool

Die Belastung der Beschäftigten im Pflegebereich verschärft sich zunehmend: Die Anforderungen steigen, die Zahl der Köpfe sinkt, der Mangel an Pflegefachkräften ist unübersehbar. Hinzu kommt die oft fehlende Bereitschaft der Heimträger, den Beschäftigten noch Vollzeitstellen anzubieten. Mit der Notwendigkeit, die Arbeit immer flexibler zu organisieren, schließt sich der Kreis. „Vor dem Hintergrund, dass immer weniger Heimträger noch tarifliche Entlohnung zahlen, darf man sich dann nicht wundern, wenn die Qualität in der stationären Altenpflege schlechter wird und immer weniger Menschen bereit sind, in der Pflege zu arbeiten“, so Helmut Wallrafen-Dreisow, Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach.

Für Alltagsassistentinnen liegt die Gehaltsspanne bei einer Vollzeitstelle in der kommunalen Sozial-Holding zwischen 1.650 und 2.100 Euro. Bei Pflegefachkräften beginnt die Vergütung bei 2.100 Euro und endet mit 2.900 Euro.

Wallrafen-Dreisow: „Da ist es nachvollziehbar, dass immer weniger Beschäftigte von einer halben Stelle ihren Lebensunterhalt sicherstellen können. Vergessen wir nicht, dass die Kostenträger immer höhere Qualitätserwartungen formuliert haben und deren Einhaltung jetzt auch kontrollieren, ohne dass es in den vergangenen 15 Jahren eine adäquate Anpassung der Personalkostenrefinanzierungen gegeben hat.“

Dass Heimträger zusätzliche „Stellen“ aus dem Personalbestand schaffen und dabei gleichzeitig die wirtschaftliche Situation der Beschäftigten verbessern können, hat die Sozial-Holding jetzt mit der Einführung von Poolstunden unter Beweis gestellt. Das Unternehmen hat allen Beschäftigten in seinen sechs städtischen Altenheimen, die in der Alltagsassistenz und Pflege tätig sind, angeboten, ihre Arbeitszeit bis auf maximal 39 Wochenstunden aufzustocken. Um bei der Dienstplangestaltung die notwendige Flexibilität erreichen zu können, waren auch hier seit Jahren keine Vollzeitstellen mehr besetzt worden. Doch der nötige Handlungsspielraum kann auch bei Beschäftigten in Vollzeit durch ein Poolstunden-Modell gewahrt bleiben, welches die Geschäftsführung gemeinsam mit dem Betriebsrat entwickelt hat und das die Sozial-Holding zurzeit erprobt.

Von den 228 Teilzeitkräften im Unternehmen haben sich 71 entschieden, Stunden aufstocken. Insgesamt kamen mehr als 500 Wochenarbeitsstunden die 13,3 Vollzeitstellen entsprechen zusammen, die nun als „Pool-Stunden“ genutzt werden können. Seit Januar 2010 wird das Verfahren in der Praxis erprobt.

So funktioniert das Poolstunden-Modell: Die aufgestockten Stunden sind „Poolstunden“, die Stunden aus dem bisher bestehenden Beschäftigungsumfang sind „Regelstunden“. Regelstunden werden wie bisher über den Dienstplan im Wohnbereich geplant und erbracht. Poolstunden werden über einen wohnbereichsübergreifenden Dienstplan in der gesamten Einrichtung erbracht. Sie dienen vor allem dazu, Ausfallzeiten (Krankheit, Urlaub etc.) zu kompensieren. Die Steuerung obliegt ausschließlich der Pflegedienst- bzw. der Einrichtungsleitung.

Die Poolstunden können über den normalen Dienstplan oder auf Abruf erbracht werden. Wenn der Abruf vier Tage im Voraus erfolgt, ist der Einsatz dienstverpflichtend. Einsätze unter der Vier-Tage-Grenze können von den Beschäftigten abgelehnt werden. Werden die Pool-Stunden im Erprobungszeitraum (halbes Jahr) nicht abgerufen, gelten diese als erbracht.



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